Wenn ein Kind gestorben ist: Verwaiste Familien brauchen freien Zugang zu Trauerbegleitung

Trauer muss gelebt werden – und wird sie das nicht, macht sie krank. Viele Familien, die ein Kind verloren haben, brauchen dabei Unterstützung. Doch Trauerbegleitung wird nicht finanziert. Zum Tag der Kinderhospizarbeit fordert der Bundesverband Kinderhospiz: Das muss sich ändern.

Plötzlich hört das kleine Herz auf zu schlagen. Ein Kampf, der niemals fair war, ist endgültig verloren. Und was jetzt? Für die gesetzlichen Krankenkassen endet mit jenem letzten Herzschlag auch die Finanzierung der Arbeit in stationären und ambulanten Kinderhospizeinrichtungen. Dabei brauchen Eltern und Geschwisterkinder gerade dann die Unterstützung derer, die sie vielleicht Wochen oder Monate – manchmal auch Jahre – begleitet haben.

Trauerbegleitung muss ausschließlich durch Spenden finanziert werden. Die öffentliche Finanzierung endet aber nicht nur mit dem Todestag des Kindes. Werden Familien begleitet, deren Kinder nicht lebend zur Welt kommen, können gar keine Leistungen abgerechnet werden. „Die Trauerbegleitung ist, egal ob ein Kind vor oder nach der Geburt stirbt, immens wichtig. Trauer darf sich nicht chronifizieren – und das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Daniel de Vasconcelos, Geschäftsführer des Bundesverbands Kinderhospiz.

Wie wichtig transparente und gut zugängliche Hilfsangebote für trauernde Familien sind, zeigen die Erfahrungen einer Mutter. Eine Stunde vor der Geburt hatte sie erfahren, dass das Herz ihres Sohnes nicht mehr schlägt. Und noch Wochen nach der Geburt war sie auf der Suche nach Unterstützung.

Eine Psychologin sagte zu ihr, dass nach sechs Wochen doch das meiste verarbeitet sei. Eine andere wies sie ab mit den Worten: „Sie haben kein Krankheitsbild, daher kann ich sie doch nicht betreuen.” „Das Thema lassen Sie bitte daheim. Das ist für Sie und Ihre Kollegen besser. ” – Ein Satz aus der Chefetage. Hilfe fand sie nicht, zuhören wollte niemand. Das machte sie erst sprachlos – und dann wütend.

„Das ist kein Einzelfall. Gerade wenn der Tod schon länger her ist, wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die sich auf die Gefühlswelt der Trauernden einlassen. Besonders in der Arbeitswelt”, sagt Pia Heinreich, Leiterin des digitalen Hilfe-Portals Frag-OSKAR.

Eltern suchen in ihrer Trauer die Nähe zu Menschen, denen sie vertrauen. Die ihre Geschichte kennen. Die ihre Hand hielten, wenn es kaum auszuhalten war und die mit ihnen lachten, wenn das Leben es gut mit ihnen meinte. Deswegen setzt sich der Bundesverband für einen freien Zugang zu Trauerbegleitung für Familien ein – wann immer und so lange sie es brauchen. Denn Trauer endet nicht, sie verändert sich – und Menschen in stationären und ambulanten Kinderhospizeinrichtungen hören auch dann noch zu, wenn sonst niemand mehr hinhört.

Der Kinder- und Jugendhospizdienst in Michelsrombach bei Hünfeld unterstreicht die Forderungen des Dachverbands. Familien brauchen einen Raum, in dem sie mit ihrer Trauer – aber auch allen anderen Gefühlen – angenommen werden und einfach sein dürfen. Wir begleiten derzeit 90 lebensbegrenzt erkrankte, schwerstkranke und trauender Kinder, Jugendliche, Geschwister, sowie deren Angehörige. 

 

Bild + Text: Bundesverband Kinderhospiz e.V.